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Weltweit gibt es in 50 Demokratien (von aktuell etwa 110) ein Wahlrecht für Migranten/-innen auf lokaler, regionaler oder nationaler Ebene.

Die Beweggründe der Staaten (Liste, siehe unten) für eine Erweiterung des Wahlrechts auf zugewanderte Bürger/-innen sind genauso unterschiedlich wie die Ausstattung dieses Wahlrechts.

In dem einen Staat dürfen Migranten/-innen gerademal für ein Schul-Gremium kandidieren und gewählt werden (USA) und in vier anderen Staaten sogar bei der Wahl zum nationalen Parlamenten ihre Stimme abgeben (Neuseeland, Malawi, Uruguay, Chile). In Neuseeland kann dafür ein Aufenthalt von 1 Jahr ausreichend sein, in Chile sind 5 Jahre, in Malawi 7 Jahre und in Uruguay 15 Jahre Aufenthalt Voraussetzung.

Andererseits hatten in den USA Zuwanderer bis Mitte der 20er Jahre in 40 von 50 Bundesstaaten das kommunale Wahlrecht und in einigen Bundesstaaten darüber hinaus das Recht die Wahl des US-Präsidenten mitzuentscheiden. Die Kehrseite der Medaille: während „weiße“ Zuwanderer durch starke Rechte integriert wurden, wurde das theoretische Wahlrecht der ehemaligen schwarzen Sklaven ausgehöhlt und Frauen erhielten erst 1920 das vollständige Wahlrecht.

In Europa haben 27 Staaten eine politische Einheit vor Augen und begründen gemeinsame Rechte ihrer Bürger/-innen mit der Zukunft während die koloniale Vergangenheit Wahlrechts-Pate der des Ländern des Commonwealth ist.

Durch die Zugehörigkeit zu einem Commenwealth-Staat (53 Staaten) haben in Großbritannien 40 % der Migrant/-innen ein kommunales bis nationales Stimmrecht.

Demokratische Grundsätze, ökonomische und soziale Vorteile, Vermeidung von Segregation durch gesellschaftliche Integration oder die Erfahrung der Emigration eigener Staatsangehöriger sind dabei Motivationen für die politische Partizipation der Bürger/-innen, die dem Staat durch ihre Anwesenheit zugehörig, aber ohne Staatsangehörigkeit sind.

Bei der Definition der Staatsangehörigkeit - historisch gesehen eine neuzeitliche Konstruktion, die mit der Entstehung der Nation einhergeht – könnte die theoretischen Debatte um eine „Wohnbürgerschaft“ (siehe Bauböck) hilfreich sein, denn dadurch würde beteiligt, wer betroffen ist.

zuletzt: 3 Fragen – 1 Antwort

2009 wird in Deutschland das 90-jährige Jubiläum des Wahlrechts für Frauen gefeiert. Würde heute jemand akzeptieren, dass die Frage des Geschlechts über die gesellschaftliche Stellung und die gleichberechtigte demokratische Teilhabe entscheiden soll ?

1965 erhielten auf Druck einer breiten Bürgerrechtsbewegung in den USA erstmals alle schwarzen US-Amerikaner/-innen mit dem Voting Rights Act das gleichberechtigte, uneingeschränkte Wahlrecht. Würde heute jemand akzeptieren, dass die Frage der Rasse bzw. Ethnie über die gesellschaftliche Stellung und die gleichberechtigte demokratische Teilhabe entscheiden soll?

Wollen wir weiterhin akzeptieren, dass die Frage des Passes bzw. der Staatsangehörigkeit über die gesellschaftliche Stellung und die gleichberechtigte demokratische Teilhabe entscheiden soll ?
Bis wir also das Datum der Einführung des Wahlrechts von Migrantinnen und Migranten feiern dürfen, wählen wir eben in den symbolischen Wahlkreisen 100 %.

Bis wir also das Datum der Einführung des Wahlrechts von Migrantinnen und Migranten feiern dürfen, wählen wir eben in den symbolischen Wahlkreisen 100 %.

DOWNLOAD: Ländervergleich - neu

DOWNLOAD: Ländervergleich - Staaten mit Wahlrecht für Migrant/-innen, 100%, 2008

DOWNLOAD: Wahlrechte ausländischer Staatsangehöriger, H. Waldrauch - 2003

DOWNLOAD: noncitizen voting rights, a survey D. Earnest - 2003

DOWNLOAD: Migration und politische Beteiligung . R. Bauböck - 2005

> Überblick über alle Staaten mit Wahlrecht (engl.)